Dienstag, 16. Mai 2017

Vorsommer II

Ständig ärgere ich mich über mich selbst, weil ich schon wieder zu warm angezogen bin. Morgens wach' ich zu spät auf, verpasse Vorlesung und Seminar: Dunkle Träume hallen Stunden nach; doch das letzte Jahr des Studiums fühlt sich seltsam heimisch an:
In der Innenstadt werde ich oft gegrüßt, lache nett und nicke kurz.

Auf der Hofgartenwiese liegend, mit dem Grün des Gras verwachsend,
lässt meine Allergie die Augen jucken und Mückenschwärme tanzen wild.
Eine leere Flasche Bier liegt neben meinem Rucksack rum;
ein paar blonde Mädchen kichern blöd und strecken ihre Arme.

Die Altbauten auf dem Weg nach Hause ragen schweigend in die Nacht.
Ein Mann zieht hektisch seinen Koffer; meine Schnürsenkel sind offen.
Unangenehm, wie schwer mir Einsamsein beizeiten fällt:
Ich rede leise mit mir selbst – habe Angst vor irgendwas.

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