Dienstag, 16. Mai 2017

Vorsommer IV

Der kalte Schmerz des Daseins:
Angewidert zucke ich zurück vor dem penetrant sich wieder und wieder
aufbäumenden Pathos, der so herrisch wie stumpfsinnig in jeden meiner Texte spuckt.
Ich schriebe gerne klar und gänzlich ohne Kitsch;
doch wenn ich plötzlich vor dem irre dreinblickend aufblitzenden Spiegelbild, das ja leider wirklich Ich sein muss, versplittert funkelnd in den vielen Fensterscheiben vor dem großen braunen Holzschreibtisch, erschrecke,
mich kurz beschämend ekelnd hektisch unterm Stuhl verstecke –
und mich selbst dort zwischen all meinen Dämonen quetsche,
die mir, wenn ich ehrlich bin, über all die vielen Jahre
irgendwie ans Herz gewachsen sind –
vertreibt doch deren wirres Murmeln von Zeit zu Zeit die Einsamkeit –
fällt es mir unerträglich schwer mich nicht erneut in den sprachlichen Schwachsinn,
die kindlich aufgebauschten, dramatisch überspannten semantischen Spielereien,
die seit je – auch jetzt – verlogen sind, bloß leeren Raum mit falschen Worten füllen – zu flüchten,
die mir seit der Hälfte von zehn Jahren ein kleines bisschen Ich zu sein erlauben,
einen Atemzug lang etwas jenseits dieser kranken Welt und dieses schrägen Selbsts zu denken.

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